Finanzen im Fernstudium verstehen – Praktische Wege zum Erfolg
Ein Fernstudium in Finanzforschung verlangt mehr als nur Motivation. Es braucht Struktur, kluge Zeitplanung und den Mut, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen. Wir haben gelernt, dass die größten Hürden oft dort lauern, wo man sie nicht vermutet.
Seit 2024 begleiten wir Studierende dabei, komplexe Finanzthemen von zuhause aus zu meistern – und dabei haben sich ein paar Wahrheiten herauskristallisiert, die wirklich den Unterschied machen.


Lennard Wolfskeil
Studienberater & Finanzanalyst
Seit acht Jahren helfe ich Menschen dabei, Finanzwissen aufzubauen – erst im klassischen Hörsaal, jetzt hauptsächlich digital. Die Fragen sind überall dieselben, nur die Antworten müssen manchmal anders verpackt werden.
Was wirklich funktioniert
1 Feste Zeitfenster statt flexibler Beliebigkeit
Viele starten mit dem Gedanken: „Ich lerne einfach, wann es passt." Klingt gut, funktioniert aber selten. Was sich bewährt hat – drei bis vier fixe Blöcke pro Woche, die im Kalender stehen wie ein echter Termin. Morgens zwischen 6 und 8 Uhr ist oft überraschend produktiv, weil die Welt noch ruhig ist. Und ja, auch am Wochenende sollte mindestens ein Block dabei sein.
2 Lerngruppen gezielt aufbauen
Online-Lerngruppen sind nicht automatisch hilfreich – sie können auch Zeit fressen. Der Trick liegt darin, maximal vier Leute zu finden, die ähnlich ticken. Ein wöchentlicher Video-Call von 90 Minuten, bei dem jeder ein konkretes Thema vorbereitet, bringt mehr als stundenlanges Chatten. Wir empfehlen, diese Gruppen spätestens im zweiten Semester zu formieren, wenn man die ersten Module hinter sich hat.
3 Analoge Notizen für komplexe Konzepte
Klingt altmodisch, aber gerade bei Finanzmodellen hilft es enorm, Zusammenhänge per Hand aufzuzeichnen. Ein großes Notizbuch, in das man Formeln, Diagramme und eigene Gedanken kritzelt, schafft Verbindungen im Kopf, die beim reinen Tippen verloren gehen. Die digitalen Skripte sind wichtig – aber das händische Durcharbeiten verankert das Wissen auf eine andere Ebene.
4 Reale Fallbeispiele parallel verfolgen
Trockene Theorie allein motiviert nicht lange. Wer sich parallel zum Studium ein echtes Unternehmen aussucht und dessen Quartalsberichte analysiert, versteht plötzlich, wofür all die Formeln gut sind. Viele unserer Teilnehmer wählen mittelständische deutsche Firmen – da sind die Strukturen überschaubar genug, um wirklich durchzusteigen, aber komplex genug, um interessant zu bleiben.
5 Pausen ernst nehmen
Nach 60 Minuten intensivem Lernen braucht das Gehirn eine echte Pause – nicht Instagram, nicht E-Mails. Rausgehen, Fenster aufreißen, einen Kaffee ohne Handy trinken. Das klingt banal, aber die meisten ignorieren es. Wer vier Stunden am Stück durchpowert, vergisst danach die Hälfte. Wer nach jeder Stunde 15 Minuten komplett abschaltet, behält mehr und ist am Ende nicht völlig ausgelaugt.
Typische Stolpersteine – und wie man sie umgeht
Jeder kämpft mit ähnlichen Problemen. Der Unterschied liegt darin, ob man sie früh erkennt und konkrete Lösungen findet.
Prokrastination bei komplexen Themen
Wenn ein Modul richtig anspruchsvoll wird, schiebt man es gerne auf. Die Aufgaben wirken zu groß, man weiß nicht, wo anfangen, und plötzlich ist wieder eine Woche rum.
Micro-Tasks definieren
Ein großes Thema in 20-Minuten-Häppchen zerlegen:
- Erste 20 Min: Überschriften und Struktur erfassen
- Nächste 20 Min: Nur die Einleitung durcharbeiten
- Danach: Ein einzelnes Konzept verstehen
- Am nächsten Tag: Eigenes Beispiel dazu formulieren
So wird aus einem Monster ein Stapel schaffbarer Schritte.
Isolation und fehlender Austausch
Allein vor dem Bildschirm zu sitzen, kann auf Dauer zermürben. Man hat niemanden, der mal sagt: „Das hab ich auch nicht verstanden" oder „Lass uns das zusammen durchgehen."
Strukturierte Peer-Formate nutzen
- Wöchentlicher Video-Call mit fester Agenda
- Geteiltes Dokument für offene Fragen
- Reihum-Prinzip: Jeder bereitet ein Thema vor
- Monatliches Präsenz-Treffen, wenn möglich
- Gemeinsame Prüfungsvorbereitung ab 8 Wochen vorher
So entsteht echte Verbindlichkeit, nicht nur lockeres Geplauder.
Überforderung durch Informationsflut
Hunderte PDF-Seiten, dutzende Videos, zusätzlich empfohlene Artikel – man weiß nicht mehr, was wirklich wichtig ist und verzettelt sich in Details.
Klare Prioritäten setzen
- Pflichtliteratur zuerst, Rest ist optional
- Ein Lehrbuch als Hauptquelle festlegen
- Zusatzmaterial nur bei konkreten Lücken nutzen
- Videos maximal zur Wiederholung einsetzen
- Eigene Zusammenfassungen erstellen statt alles zu horten
Weniger Quellen, dafür gründlich – das ist der Weg.
Technische Probleme und Ablenkungen
Instabile Internetverbindung, ständige Benachrichtigungen, Mitbewohner oder Familie im Hintergrund – die Konzentration leidet massiv.
Lernumgebung optimieren
- Festen Arbeitsplatz einrichten (nicht Bett oder Couch)
- Handy in anderen Raum während Lernblöcken
- Browser-Plugins für Website-Blockierung nutzen
- Kopfhörer mit Noise Cancelling bei Bedarf
- Backup-Plan für Internet-Ausfälle (Bibliothek, Café)
Die ersten zwei Wochen sind hart, dann wird es zur Routine.